Aufsicht

Stresstest: Große Banken in EU können auch tiefe Konjunkturkrise meistern

Mailand/Berlin | 04.08.2025 | Reuters

Die großen Banken in der Europäischen Union sind einem Stresstest zufolge stark genug, um eine Konjunkturkrise zu überstehen. Dies ergab der am Freitagabend veröffentlichte Check der Europäischen Bankenaufsicht (EBA). Mit dem Test wurde die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems gegen Krisen geprüft. Im Mittelpunkt stand ein adverses Szenario. Dieses simuliert geopolitische Spannungen, auch im Handel, mit einer über drei Jahre hinweg tiefgreifenden Rezession in der EU und anderen Währungsräumen. Dabei wurde auch ein starker Anstieg von Arbeitslosigkeit und Inflation unterstellt.

Die Ergebnisse deuten laut der EBA darauf hin, dass das EU-Bankensystem diesem schwierigen, aber plausiblen makroökonomischen Szenario standhalten könnte: „Dies spiegelt die Widerstandsfähigkeit wider, die die Banken in den vergangenen Jahren aufgebaut haben.“

Eine Note „bestanden“ oder „durchgefallen“ gab es nicht. Stattdessen zeigen die Ergebnisse, wie sich Kapital und Gewinn der Banken unter den angenommenen Belastungen entwickeln würden. Bei der letzten Prüfung im Jahr 2023 hatten drei namentlich nicht genannte EU-Banken die verbindlichen Kapitalanforderungen verfehlt. Dieses Mal nahmen alle Institute diese Hürde.

Auch Deutsche Bank und Commerzbank getestet

Unter den 64 geprüften Instituten, darunter 51 Banken aus dem Euroraum, waren auch die Deutsche Bank und die Commerzbank. Deren Risikovorstand Bernd Spalt sagte: „Wir haben unser Ergebnis beim diesjährigen EBA-Stresstest in einem makroökonomisch außerordentlich herausfordernden Szenario erneut verbessert.“ Das sei ein Beleg für die hohe Widerstandsfähigkeit der Commerzbank.

Die Deutsche Bank erklärte, die Testergebnisse verdeutlichten, dass die Kapitalausstattung der größten deutschen Privatbank in allen hypothetischen Stress-Szenarien deutlich über den regulatorischen Anforderungen liegen würde. „Die Kapitalquoten der Deutschen Bank wären auch erheblich höher als in den hypothetischen Szenarien des vorherigen EBA-Stresstests im Jahr 2023. Das verdeutlicht die erhöhte Widerstandsfähigkeit der Bank unter Stressbedingungen.“

Parallel zu dem von der EBA koordinierten EU-weiten Test hat die Europäische Zentralbank (EZB) auch 45 mittelgroße Banken einem Check unterzogen. Dazu gehören unter anderen die Aareal Bank, die DekaBank und die Hamburg Commercial Bank (HCOB). Zu den insgesamt 96 von ihr direkt beaufsichtigten Banken aus der Euro-Zone erklärte die EZB, diese Institute rechneten im adversen Szenario mit Verlusten in Höhe von 628 Milliarden Euro am Ende des im Stresstest betrachteten Dreijahreszeitraums aufgrund von verschärften Kredit-, Markt- und operationellen Risiken.

Dies entspreche einem Anstieg gegenüber den im Stresstest 2023 prognostizierten Verlusten von 548 Milliarden Euro. „Der Kapitalrückgang fiel trotz dieser Verluste geringer aus als in früheren Stresstests“, hieß es weiter. Hauptgrund für diesen moderateren Kapitalrückgang sei vor allem die bessere Ertragslage der Banken zu Beginn des Stresstests, die auf höhere Zinsen und eine stabile Aktiva-Qualität zurückzuführen sei. Inwieweit die höheren Gewinne von Dauer seien, bleibe allerdings ungewiss und könne von Bank zu Bank unterschiedlich sein.

„Die deutschen Banken und Sparkassen zeigen sich auch in schwierigen Stresssituationen widerstandsfähig“, so das Fazit von Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, federführend für die Deutsche Kreditwirtschaft (DK). Das starke Abschneiden der EU-Banken im EU-weiten Stresstest 2025 sei zwar beruhigend, erklärte die EBA. Doch sollte dies weder die Finanzinstitute noch die Aufsichtsbehörden dazu verleiten, sich zurückzulehnen: „Die Aufrechterhaltung einer angemessenen Kapitalausstattung ist weiterhin unerlässlich, um sicherzustellen, dass das EU-Bankensystem die Wirtschaft auch unter widrigen Bedingungen unterstützen kann und nicht zu einer Quelle der Krisenverstärkung wird.“


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