Zahlungsmoral deutscher Firmen trotzt der Konjunkturflaute
Trotz der mauen Konjunktur zahlen die meisten Unternehmen in Deutschland einer Analyse zufolge weitgehend pünktlich ihre Rechnungen. Ungeachtet der schwachen Wirtschaftslage, hoher Kosten und anhaltender Zurückhaltung bei Investitionen signalisierten Liquiditätsengpässe weiter keinen breiten Einbruch der Zahlungsmoral, erklärte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am 9. Juni. Der branchenübergreifende Zahlungsverzug lag demnach Anfang 2026 bei 7,7 Tagen und damit auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. „Die Zahlungsmoral der Unternehmen bleibt stabil – das ist in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld zunächst ein robustes Signal“, sagte Creditreform-Chefökonom Patrik-Ludwig Hantzsch.
„Gleichzeitig ist die Stabilität kein Zeichen echter Entspannung“, betonte der Experte. Viele Betriebe hielten ihre Liquidität zusammen, investierten zu wenig und fragten weiter selten nach Krediten für Investitionen. „Genau diese Investitionen wären aber zwingend notwendig, um den Standort wettbewerbsfähig zu halten.“
In den Bundesländern gibt es bei der Zahlungsmoral spürbare Unterschiede: In Rheinland-Pfalz (Zahlungsverzug: 6,1 Tage), Sachsen (6,2 Tage) und Bayern (6,7 Tage) zahlten die Unternehmen branchenübergreifend am schnellsten. Am anderen Ende der Skala stehen Schleswig-Holstein (9,8 Tage), Hamburg (10,0 Tage) und als Schlusslicht erneut Mecklenburg-Vorpommern (10,9 Tage).
Auch bei den Wirtschaftssektoren gibt es teils große Unterschiede. Das Baugewerbe weist mit weitem Abstand erneut den schlechtesten Wert auf: Der Zahlungsverzug stieg hier binnen Jahresfrist von 13,5 auf 15,0 Tage. Deutlich später als der Durchschnitt zahlten zudem die persönlichen Dienstleister (10,2 Tage) sowie der Sektor Verkehr/Logistik (8,4 Tage). Vergleichsweise gute Werte sind laut Creditreform im Einzelhandel (6,1 Tage), im Großhandel (5,9 Tage) sowie beim Spitzenreiter Chemie/Kunststoffe mit 4,9 Tagen zu verzeichnen.