US-Notenbank hält unter Fed-Chef Warsh weiter still - Naht Zinserhöhung?
In Zeiten erhöhter Inflation hält die US-Notenbank Federal Reserve weiter still und betont zugleich Handlungsbereitschaft. Auf der zweiten Sitzung unter Leitung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh beließ sie den Leitzins am Mittwoch in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Drei der zwölf Mitglieder des zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) stimmten für eine Erhöhung. Warsh wertete das Votum der Abweichler als Teil der lebhaften Debattenkultur, die er im FOMC sehen möchte: „Ich habe um einen guten Familienstreit gebeten – und ihn auch bekommen.“ Die Fed sei trotz der Zinspause aktiv und nehme keine abwartende Haltung ein. Es stünden wichtige Entscheidungen an und man werde den Auftrag erfüllen, für Preisstabilität zu sorgen: „Die Fed kümmert sich um die Sache“, betonte Warsh. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass sie im September den Leitzins erhöht.
Warsh ließ sich vor der Presse nicht in die Karten blicken, ob die Anleger damit richtig liegen. Allerdings erklärte er, Zentralbanker würden von Natur aus dazu neigen, die Geldpolitik zu straffen, wenn sie eine stabile Beschäftigungslage und einen Anstieg der zugrundeliegenden Inflation beobachteten. Ob es tatsächlich zu der Zinserhöhung komme, hänge von den eingehenden Inflationsdaten ab, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank: „Der eigenen Interpretation der Daten kommt dann eine hohe Bedeutung zu, denn die Kommunikation der Fed bleibt unter Kevin Warsh schmallippig.“
Die durch den Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges angeheizte Inflation hat zuletzt zwar nachgelassen. Mit 3,5 Prozent war die Teuerung im Juni jedoch noch immer relativ hoch. Mit dem Wiederaufflammen des Iran-Krieges sind auch die Ölpreise weiter gestiegen, was die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte erhöht. Dies bezeichnet ein Hochschaukeln von Preisen und Löhnen, das die Inflation weiter antreibt. Dies will die Notenbank unbedingt vermeiden.
Trump lobt Warsh: „Brillanter Mann“
„In der September-Sitzung wird klarer sein, wie stark der Ölpreisanstieg auf die Inflation in den USA durchschlägt. Aller Voraussicht nach wird dies deutlich erkennbar sein und zu einer Zinserhöhung führen“, so die Einschätzung von Michael Heise, Chefökonom des Vermögensverwalters HQ Trust. Der Fed-Chef hat klargestellt, dass die Fed keine dauerhaft erhöhte Inflation dulden könne. Er ließ auch Kritik an der Arbeit der Notenbank unter seinem Vorgänger Jerome Powell anklingen, da sie die erhöhte Inflation in den vergangenen Jahren nicht in den Griff bekommen habe.
Powell war auch immer wieder von US-Präsident Donald Trump harsch kritisiert worden, weil er einen aus Sicht des Staatschefs zu straffen geldpolitischen Kurs fuhr. Trump lobte nun den seit Mai amtierenden Fed-Chef: Sein Wunschkandidat für den Vorsitz der US-Notenbank leiste hervorragende Arbeit: „Er ist ein brillanter Mann“, sagte er vor Reportern im Oval Office.