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Unternehmen tun wenig gegen technische Abhängigkeit von den USA

Berlin | 11.08.2026 | Reuters

Cloud-Dienste, Software, KI-Anwendungen: Viele deutsche Firmen unternehmen nichts gegen die als riskant empfundene technische Abhängigkeit von den USA. Obwohl gut jedes fünfte Unternehmen diese für gefährlich hält, plant es keine Gegenmaßnahmen, wie aus einer am 11. August veröffentlichten Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervorgeht. Insgesamt nutzen fast 88 Prozent der Firmen hierzulande digitale Produkte und Dienste von US-Anbietern. 31 Prozent sehen sich von ihnen stark abhängig.

„Die Unternehmen wissen recht genau, wo sie stehen – sie ziehen daraus kaum Konsequenzen“, sagte der Leiter der Ifo-Befragungen, Klaus Wohlrabe. „Gründe können sein, dass Unternehmen vor den Zusatzkosten dieser Risikovorsorge zurückschrecken und dass sie nicht sicher sein können, dass Lieferanten oder Kunden diese Investitionen in digitale Unabhängigkeit ebenfalls auf sich nehmen wollen.“

Anlass für die Befragung ist die vorübergehende Sperrung der leistungsfähigsten KI-Modelle des US-Anbieters Anthropic für ausländische Nutzer. Diese hatte das US-Handelsministerium Mitte Juni angeordnet, aber später wieder aufgehoben.

Am stärksten betroffen fühlt sich der Dienstleistungssektor: Hier sehen 39 Prozent eine große Abhängigkeit von amerikanischen Diensten. Im Bauhauptgewerbe ist der Anteil dagegen mit 15 Prozent weniger als halb so groß. Auffällig ist dem Ifo-Institut zufolge, dass die am stärksten betroffenen Firmen das Risiko nicht unbedingt am höchsten einschätzen: In der Werbung und Marktforschung sehen sich 72 Prozent der Unternehmen stark abhängig, aber nur 51 Prozent halten dies für sehr riskant.

„Das Angebot fehlt“

Wo Unternehmen handeln wollen, richtet sich der Blick vor allem nach Europa: Der Umstieg auf europäische Alternativen ist mit 34 Prozent die am häufigsten genannte Maßnahme, gefolgt von der Diversifizierung der Anbieter mit 30 Prozent. Der Aufbau eigener IT-Infrastruktur folgt mit 18 Prozent dahinter. Auf die Europäische Union entfallen jedoch weniger als fünf Prozent der weltweit erfassten Rechenkapazität für KI-Anwendungen, wie das Ifo-Institut betonte.

„Die Bereitschaft zum Wechsel ist da, das Angebot fehlt“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Europa muss den Ausbau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur deutlich beschleunigen und Genehmigungsverfahren von Jahren auf Monate verkürzen.“ Zugleich sollte der Staat seine eigene Nachfragemacht nutzen: Verbindliche Abnahmezusagen der öffentlichen Hand würden europäischen Anbietern jene Planungssicherheit geben, die aus verstreuter privater Nachfrage nicht entsteht, sagte Fuest.


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