Österreich

Raiffeisen Bank klammert eingefrorene Milliarden aus Russland-Bilanz aus

Wien | 05.05.2026 | Reuters

Die Raiffeisen Bank International (RBI) rechnet in Russland eingefrorene Milliardenbeträge aus ihrer Bilanz heraus, um den tatsächlichen Abbau ihres Russland-Geschäfts zu verdeutlichen. Das Kreditbuch in dem Land sei seit Kriegsbeginn bereits um 78 Prozent auf weniger als 2,5 Milliarden Euro geschrumpft, sagte RBI-Chef Johann Strobl am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

Konkret klammere die Bank nun Gelder aus, die sie als Zahlstelle für westliche Investoren zwingend bei der russischen Einlagensicherung parken müsse. Dabei handele es sich um sogenannte C-Konten für Kupon- und Dividendenzahlungen russischer Unternehmen an Investoren aus „unfreundlichen“ Staaten – also Ländern, die Sanktionen gegen Russland verhängt haben. Diese Volumina, die seit Juni 2024 von null auf fast zwei Milliarden Euro angewachsen seien, fielen nicht unter die mit der Europäischen Zentralbank (EZB) vereinbarten Abbauziele. Die regulatorischen Vorgaben für den Abbau des Geschäfts blieben auf absehbare Zeit bestehen.

Bezüglich einer Schadenersatzklage gegen die russische Firma Rasperia zeigte sich Strobl zurückhaltend. Ein solcher Schritt berge Risiken für die RBI in Russland. „Wir werden dieses Risiko jetzt nicht vollständig lösen oder verringern können, aber wir arbeiten daran“, sagte der Manager. Ein russisches Gericht hatte die russische RBI-Tochter im vergangenen Jahr zu einer Zahlung von gut zwei Milliarden Euro an Rasperia verurteilt. Auslöser war eine Klage der Firma, die Schadenersatz für ihre wegen der Sanktionen eingefrorene Beteiligung am österreichischen Baukonzern Strabag gefordert hatte. Rasperia wurde früher dem sanktionierten Oligarchen Oleg Deripaska zugeordnet; wer heute dahintersteckt, ist unklar.

Im Gegenzug hatte Russland der russischen RBI-Tochter den Anteil an der Strabag zugerechnet. Dieser ist jedoch durch die EU-Sanktionen blockiert. Strobl betonte, man wolle die europäischen Behörden davon überzeugen, dass eine Freigabe der Strabag-Aktien im europäischen Interesse liege. Ein Risikoabbau wäre hier ein sehr sauberer Weg in die Zukunft. Zudem rechnet die Bank mit einem langwierigen Verfahren: Bis zu einer möglichen Entschädigung könnten nach Einreichung der Klage bis zu zwei Jahre vergehen.

Die RBI, die größte noch in Russland aktive westliche Bank, prüfe weiterhin Lösungen, um die Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen gegen ihr Geschäft und ihr Kapital in dem Land zu begrenzen. „Die Fortschritte sind langsam, aber wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, alle Möglichkeiten auszuloten“, sagte Strobl. Sollte die Bank künftig Kapital aus Russland abziehen können oder Entschädigungen erhalten, stünden laut Management verschiedene Optionen zur Verfügung. Neben der Ausschüttung von Dividenden solle ein beträchtlicher Teil in das organische Wachstum fließen. Auch weitere Zukäufe seien denkbar, sofern sich günstige Gelegenheiten böten.


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