Produktion wächst erneut - Größtes Exportminus seit anderthalb Jahren
Aus der deutschen Wirtschaft kommen gemischte Konjunktursignale: Während die Unternehmen ihre Produktion im November dank einer verbesserten Auftragslage den dritten Monat in Folge steigerten, sanken ihre Exporte so stark wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,8 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das kommt überraschend: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 0,4 Prozent gerechnet. Im Oktober hatte es zu einem Plus von 2,0 Prozent gereicht, im September zu einem Wachstum von 1,1 Prozent. Dagegen sorgte die sinkende Nachfrage aus Europa und den USA dafür, dass die Ausfuhren im November um 2,5 Prozent zum Vormonat schrumpften – der stärkste Rückgang seit Mai 2024.
Nach Ansicht von Ökonomen spricht der anhaltende Aufwärtstrend bei der Produktion für einen versöhnlichen Jahresabschluss. Das Bruttoinlandsprodukt von Europas größter Volkswirtschaft dürfte im vierten Quartal „klar über der Nullmarke liegen“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Im dritten Quartal hatte es nur zu einer Stagnation gereicht.
Aufschwung kein Selbstläufer
Eine klare Trendwende sieht aber auch die Bundesregierung noch nicht. „Vor dem Hintergrund der zuletzt leicht aufgehellten Auftragslage, insbesondere aus dem Inland, zeigt die Industrieproduktion zum Jahresende einen Aufwärtstrend“, betonte das Bundeswirtschaftsministerium. Eine breitere Belebung der Industriekonjunktur werde jedoch noch von der gedämpften Nachfrage aus dem Ausland begrenzt. „Ein deutlicher Aufschwung zeichnet sich noch nicht ab“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Der massive Fiskalimpuls vom Schuldenpaket der Regierung wirkt noch nicht, weil die Unternehmen wegen des Fehlens breitangelegter Reformen enttäuscht sind.“ Trotz fiskalischem Rückenwind sei ein Aufschwung im neuen Jahr kein Selbstläufer, warnte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Die globalen Rahmenbedingungen bleiben gerade für die exportorientierte deutsche Industrie weiterhin herausfordernd“.
Die Industrie allein stellte im November 2,1 Prozent mehr her als im Vormonat. Sie hatte zuvor drei Monate in Folge mehr Neuaufträge an Land gezogen, begünstigt zuletzt auch durch Großaufträge für die Aufrüstung. In der Automobilindustrie zog die Produktion um 7,8 Prozent an, im Maschinenbau um 3,2 Prozent. Die Energieerzeugung brach dagegen um 7,8 Prozent ein. Die Baubranche drosselte ihre Produktion um 0,8 Prozent.
Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) dürfte die Industrieproduktion 2025 um rund ein Prozent gesunken sein, „der vierte Rückgang in Folge“. Sie liege damit rund 14 Prozent niedriger als 2018, sagte IfW-Experte Nils Jannsen.
„Die besten Zeiten hinter sich“
Die meisten Ausfuhren gingen im November trotz eines Rückgangs erneut in die USA. Dorthin wurden deutsche Waren im Wert von 10,8 Milliarden Euro geliefert. Das waren 4,2 Prozent weniger als im Oktober. Die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle drücken die Nachfrage nach Waren „Made in Germany“. Das deutsche China-Geschäft wuchs hingegen: Die Ausfuhren in die Volksrepublik nahmen um 3,4 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu. Die Ausfuhren in die EU-Staaten wiederum sanken um 4,2 Prozent auf 73,1 Milliarden Euro.
„Der Exportsektor scheint die beste Zeit hinter sich zu haben, vor allem der Handel mit den USA leidet“, sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. „Wegen der US-Zölle werden die Herausforderungen für den Sektor nicht kleiner.“
Die meisten Experten trauen Europas größter Volkswirtschaft im neuen Jahr ein Wachstum von etwa einem Prozent zu. 2025 dürfte es nur zu einem Mini-Plus von etwa 0,1 Prozent gereicht haben, dem zwei Rezessionsjahre in Folge vorausgegangen waren.