Geldpolitik

Inflation steigt auf 3,3 Prozent: "Spricht für weitere EZB-Zinserhöhung"

Berlin | 01.09.2026 | Reuters

Die Inflation im Euro-Raum zieht kräftig an und spricht für eine baldige Zinserhöhung der EZB. Die Verbraucherpreise stiegen im August zum Vorjahresmonat um 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli, wie das EU-Statistikamt am Dienstag auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten mit diesem Inflationsschub gerechnet. Energie erwies sich vor dem Hintergrund des weiter anhaltenden Iran-Krieges als Preistreiber Nummer eins: Sie verteuerte sich im August um satte 14,3 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) peilt bei der Gesamtinflation einen Wert von 2,0 Prozent. Mit dem jüngsten Anstieg ist die Teuerung nun sehr weit über das Ziel der Währungshüter hinausgeschossen. Zuletzt mehrten sich die Signale, dass sie sich mit einer Zinserhöhung gegen den starken Preisauftrieb stemmen werden.

Der nächste Zinsentscheid steht auf einer auswärtigen Sitzung am 10. September in Berlin an. An den Finanzmärkten wird mit einer Erhöhung des zum Steuern der Geldpolitik maßgeblichen Einlagesatzes um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent gerechnet. Die Wahrscheinlichkeit wird an den Märkten derzeit auf fast 99 Prozent taxiert. Die EZB hatte zuletzt eine Zinspause eingelegt, nachdem sie im Juni mit der ersten Erhöhung seit drei Jahren bereits im Kampf gegen die steigende Inflation Flagge gezeigt hatte.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Der österreichische Notenbankchef Martin Kocher warnte, im gesamten Euro-Raum seien die Aufwärtsrisiken für die Inflation zuletzt wieder gestiegen: Sollte sich dieses Bild in der nächsten EZB-Prognose bestätigen, halte er eine baldige weitere Zinserhöhung für notwendig. Commerzbank-Experte Vincent Stamer geht davon aus, dass es nächste Woche so weit sein wird: Die Inflation nähere sich den Projektionen der EZB an, bei denen die Zentralbank zwei Zinserhöhungen unterstellt habe: „Das spricht klar für eine weitere Zinserhöhung durch die EZB im September.“

Die Zentralbank will verhindern, dass der Ölpreisschock das Preisgefüge nachhaltig durcheinanderwirbelt: Denn die vom Iran-Krieg hochgetriebenen Energiekosten für Konsumenten und Firmen bergen die Gefahr, dass es zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt und sich die starke Teuerung so festsetzt. Die EZB muss sich laut Ratsmitglied Olli Rehn auf einen langwierigen Konflikt im Nahen Osten einstellen, der die Teuerung im Euroraum hochhalten könnte. Eine Zinserhöhung in der nächsten Woche dürfte vor diesem Hintergrund als sicher gelten, sagte Chefökonom Alexander Krüger von der Bank Bethmann HAL: „Wenn die EZB jetzt nicht die Zinsen erhöht, wann dann?“


Cookie Hinweis
Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Dazu zählen Cookies, die für den Betrieb der Seite unverzichtbar sind, Cookies, die lediglich zu anonymen Statistikzwecken genutzt werden sowie Cookies, die durch Inhalte von Drittanbietern gesetzt werden (Twitter). Sie können jederzeit in den Datenschutzhinweisen der Verarbeitung und Nutzung von Cookies widersprechen oder diese anpassen. Weitere Informationen