Konjunktur

Industrie erhält mehr Aufträge - "Langsam kehrt Leben zurück"

Berlin | 06.07.2026 | Reuters

Lichtblick für die angeschlagene deutsche Industrie: Sie hat im Mai trotz anhaltender Belastungen durch den Iran-Krieg mehr Aufträge bekommen und damit den zuvor erlittenen Rückgang teilweise wettgemacht. Das Neugeschäft wuchs um 1,9 Prozent im Vergleich zum April, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Großaufträge aus dem Rüstungsbereich trugen dazu bei, während die Autoindustrie schwächelte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet, nach einem Rückgang von revidiert 3,2 (bisher: -3,8) Prozent im April.

„Ganz langsam kehrt das Leben bei den Auftragseingängen zurück“, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die Entwicklung. Allerdings sei in den kommenden Monaten nicht mit einer starken Erholung zu rechnen – auch weil der Iran-Konflikt noch immer eine Quelle der Unsicherheit darstelle. So litten die deutschen Unternehmen weiter unter einer Erosion der Standortqualität. „Das Reformpaket der Bundesregierung hat zwar in einzelnen Punkten Fortschritte gebracht, aber keinen Durchbruch in der Breite“, sagte Krämer.

„Autobau muss sich gesundschrumpfen“

Die Erholung im Mai ist wesentlich auf den deutlichen Anstieg im Sonstigen Fahrzeugbau zurückzuführen, wozu Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge gehören. Hier lagen die Bestellungen aufgrund mehrerer Großaufträge um 85,0 Prozent höher als im Vormonat. Der Staat investierte Milliarden in Infrastruktur und Aufrüstung. Zuwächse gab es auch im Maschinenbau (+3,7 Prozent) und im Bereich Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (+5,7 Prozent). Die Automobilindustrie (-3,8 Prozent) und die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (-7,8 Prozent) meldeten dagegen eine sinkende Nachfrage. „Der Automobilbau muss sich gesundschrumpfen, worunter viele nachgelagerte Industrien leiden“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Die Auslandsaufträge legten im Mai um 2,2 Prozent zu. Dabei nahmen die Bestellungen aus der Euro-Zone um 11,2 Prozent zu, während die aus dem übrigen Ausland um 3,2 Prozent schrumpften. Die Inlandsaufträge stiegen um 1,3 Prozent. Werden Großaufträge ausgeklammert, legten die gesamten Bestellungen im Mai nur um 1,0 Prozent zu. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von März bis Mai um 0,2 Prozent niedriger als in den drei Monaten zuvor.

Der Auftragsbestand der Industrie liegt derzeit bei knapp neun Monaten – so lange könnten die Unternehmen produzieren, ohne dass neue Bestellungen eintrudeln. „Die Industrie krankt freilich an anderen Dingen“, sagte der Ökonom der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Jens-Oliver Niklasch. „Die Kosten sind zu hoch, das Regulierungsdickicht ist üppig und der Fachkräftemangel eine reale Herausforderung.“

Gestiegen sind im Mai nicht nur die Aufträge, sondern auch die Einnahmen: Der inflationsbereinigte Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe lag 1,8 Prozent höher als im Vormonat.


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