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EZB-Direktor: Zinserhöhung ist wahrscheinlicher geworden

Frankfurt am Main | 06.05.2026 | Reuters

EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone hält eine Zinserhöhung angesichts des hohen Inflationsdrucks infolge des Iran-Kriegs für möglich. „Die aktuelle Situation weicht offensichtlich von unseren Grundprognosen vom März ab“, sagte er in Mailand.

„Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Leitzinsen anpassen müssen.“ Die Inflation in der Euro-Zone hatte im April drei Prozent erreicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt zwei Prozent an.

Gleichzeitig zeigen die jüngsten Daten der EZB, dass sich der Anstieg der Tariflöhne seit Beginn des Iran-Kriegs noch nicht beschleunigt hat. Die Tariflöhne dürften demnach in diesem Jahr um 2,6 Prozent zulegen, was mit dem Zwei-Prozent-Inflationsziel der EZB vereinbar wäre. Cipollone warnte jedoch, die Erinnerungen an den Energieschock nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 seien noch präsent. Dies könne zu einer schnelleren Anpassung der Inflationserwartungen führen.

Cipollone zeichnete zudem ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten. Die Auswirkungen könnten weit größer sein als bisher angenommen, da Lieferengpässe die Industrieproduktion drosseln könnten. „Europa könnten bis Ende Mai die Reserven an Kerosin und Flugbenzin ausgehen, was zu erheblichen Einschränkungen in mehreren Industriezweigen führen könnte, ähnlich wie während der Covid-19-Pandemie.“

Der EZB-Rat trifft sich im Juni zur nächsten geldpolitischen Sitzung. Die meisten Experten rechnen dann mit einer ersten Zinserhöhung. Zuletzt hatten die Währungshüter den Einlagensatz bei zwei Prozent belassen.


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