Wettbewerb

Deutsche Bank stößt auf Gegenwind von Investoren - Proteste vor HV

Frankfurt am Main | 28.05.2026 | Reuters

Die Deutsche Bank sieht sich auf ihrer ersten Präsenz-Hauptversammlung seit fünf Jahren mit Kritik von Investoren sowie Protesten konfrontiert. Nach einem Rekordgewinn im ersten Quartal sieht Vorstandschef Christian Sewing das größte deutsche Geldhaus zwar auf einem guten Weg und will die Bank an die europäische Spitze führen. Fondsgesellschaften mahnten am Donnerstag angesichts geopolitischer Risiken jedoch eine strikte Kostendisziplin an und liefen Sturm gegen die geplante Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge. Zudem wurde das Treffen von einem Tarifkonflikt bei der Tochter Postbank und einem Protest von Umweltaktivisten überschattet.

Die Gewerkschaft Verdi weitete dazu die Warnstreiks bei der Postbank aus und rief für Donnerstag zu einer Demonstration am Frankfurter Messegelände auf. Der bis Samstag dauernde Ausstand betrifft den Filialvertrieb und die Callcenter. Verdi fordert unter anderem acht Prozent mehr Gehalt und kritisierte, dass von den Rekordgewinnen vor allem die Aktionäre profitierten. Am Rande des Treffens demonstrierten zudem Aktivisten von Attac und Greenpeace gegen Geschäfte der Bank etwa mit dem Bergbaukonzern Glencore.

Sewing bläst zur Offensive

Vorstandschef Sewing zeigte sich ungeachtet der Kritik zuversichtlich. Bis zum Jahr 2028 peilt er eine Eigenkapitalrendite von mehr als 13 Prozent und Erträge von rund 37 Milliarden Euro an. „Eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent ist für uns die Untergrenze – wir trauen uns deutlich mehr zu“, sagte der Bankchef. Die Aktionäre sollen von der positiven Entwicklung durch höhere Ausschüttungen profitieren. Für das abgelaufene Jahr schlägt der Vorstand eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie vor, zudem läuft ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von einer Milliarde Euro. Ab 2026 soll die Ausschüttungsquote von 50 auf 60 Prozent des Konzerngewinns steigen.

Das Institut erzielte im Auftaktquartal einen Nachsteuergewinn von 2,2 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Für das Gesamtjahr strebt die Bank Erträge von rund 33 Milliarden Euro an. Aufsichtsratschef Alex Wynaendts betonte, die Bank habe das „Basislager erreicht“ und könne nun den Aufstieg an die Spitze der europäischen Bankenindustrie in Angriff nehmen.

Investoren fordern Kostendisziplin

Einige große Fondsgesellschaften äußerten auf dem Treffen jedoch deutliche Forderungen und mahnten zur Vorsicht. Zwar seien die Zeiten vorbei, in denen die Deutsche Bank ein „Koloss auf tönernen Füßen“ gewesen sei, sagte Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei der Fondsgesellschaft Union Investment. Angesichts neuer geopolitischer Risiken wie des Konflikts im Iran und der Konjunkturschwäche in Deutschland mahnte sie jedoch eine strikte Kostendisziplin an. Andreas Thomae von der Sparkassentochter Deka Investment bezeichnete die Ziele für das Jahr 2028 als ambitioniert, diese könnten mittelfristig jedoch nur ein Zwischenschritt sein. „Wachstum ist wichtig, aber Profitabilität ist noch wichtiger.“

Sowohl Union Investment als auch Deka kündigten an, gegen die geplante Anhebung der Aufsichtsratsvergütung zu stimmen. Thomae erklärte, die Anpassung für den Aufsichtsratsvorsitzenden um 47 Prozent auf 1,4 Millionen Euro sei „definitiv zu hoch“ und sende ein falsches Signal in die Bank und an die Öffentlichkeit. Der Stimmrechtsberater ISS erklärte in einer Analyse, die Vergütung sei „außergewöhnlich hoch für den deutschen Markt“. Eine Erhöhung der fixen Bezüge um 17 Prozent für die einfachen Mitglieder sei nach einigen Jahren Inflation hingegen akzeptabel. Deka-Vertreter Thomae sah zudem die Doppelrolle von Stefan Hoops kritisch, der neu in den Vorstand einzieht und gleichzeitig Chef der Fondstochter DWS bleibt. Union Investment kündigte an, der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat dennoch zuzustimmen.


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