Commerzbank: Sind in Kontakt mit der Bafin wegen Unicredit-Angebot
Die Commerzbank hat bei der Finanzaufsicht Bafin Bedenken wegen des Standes des Übernahmeangebots der Unicredit für das Frankfurter Institut angemeldet. Die im Rahmen der zurzeit laufenden Offerte an alle Commerzbank-Aktionäre angedienten Aktien könnten „zu einem wesentlichen Teil von Marktteilnehmern stammen, die zugleich Gegenparteien für Derivate mit der UniCredit sind“, schrieb das Institut in einer Mitarbeitermitteilung, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag. „Daher analysieren und beobachten wir diesen Vorgang sehr genau und stehen dazu auch in Kontakt mit der BaFin.“ Von der BaFin war keine Stellungnahme erhältlich. Unicredit teilte mit: „Wir kommentieren keine Marktgerüchte und Unterstellungen, die jeder sachlichen Grundlage entbehren.“
Die Aufsicht könnte auf den Plan gerufen werden, weil Marktteilnehmer, die über Derivate wirtschaftlich mit UniCredit verflochten sind, ein Interesse daran haben könnten, Aktien anzudienen. Das würde die Aussagekraft der Annahmequote über das tatsächliche Investoreninteresse verzerren. Die UniCredit hatte am Dienstag mitgeteilt, dass ihr 7,58 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient worden seien. Damit würde die Unicredit über die wichtige Schwelle von einer Beteiligung von 30 Prozent rutschen. Allerdings liegt der Wert der Offerte derzeit unter dem aktuellen Aktienpreis der Commerzbank, eigentlich gibt es also keinen Grund, das niedrigere Angebot anzunehmen.
Bisher hält die Unicredit einen direkten Anteil von 26,77 Prozent an der Commerzbank. Zusammen mit den nun schon angedienten Aktien käme die Bank auf 34,35 Prozent. Das Angebot läuft noch bis zum 16. Juni und kann bis zum 3. Juli verlängert werden. Weitere 3,22 Prozent kann UniCredit in jedem Fall erwerben, indem die Bank Kaufoptionen zieht, die sie von mehreren Investmentbanken erworben hat. Den Bestand an Derivaten, für die ein Barausgleich vorgesehen ist (Total Return Swaps), hat die Unicredit den Angaben zufolge auf 13,19 Prozent erhöht. Insgesamt könnte sich Unicredit-Chef Andrea Orcel also sogar Zugriff auf bis zu 50,8 Prozent der Commerzbank-Anteile verschaffen.
Die Derivate ermöglichten keine Ausübung von Stimmrechten, betonte die Commerzbank in dem Mitarbeiterbrief. „Wir bitten euch unverändert, euch von den Veröffentlichungen nicht verunsichern zu lassen. Wir halten euch informiert.“