Verband HDE

Onlinehandel zieht auch 2026 an - Wachstumsmotor für die Branche

Berlin | 03.06.2026 | Reuters

Der E-Commerce bleibt der entscheidende Wachstumsmotor für den deutschen Einzelhandel. Für das laufende Jahr rechnet der Branchenverband HDE mit einem nominalen Umsatzplus von 4,3 (2025: 3,9) Prozent im Online-Geschäft, während der stationäre Handel voraussichtlich nur um 1,6 Prozent zulegen wird. Dies geht aus dem am 3. Juni veröffentlichten „Online-Monitor 2026“ des Handelsverbands Deutschland (HDE) hervor. „Der grundsätzliche Trend ist ungebrochen“, sagte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp.

Wichtigster Absatzkanal bleiben Online-Marktplätze, über die mehr als die Hälfte des Internetumsatzes abgewickelt wird. „Die Branche hat es angesichts der schlechten Konsumstimmung nicht leicht, behauptet sich aber als Wachstumstreiber für den gesamten Einzelhandel.“ Für Schwung sorgten vor allem Marktplätze wie Amazon oder Ebay. Hierüber liefen 2025 fast 57 Prozent der Onlineumsätze – ein Plus von 5,9 Prozent. „In Deutschland ist Amazon der Platzhirsch.“ Amazon allein kommt mit dem beliebten Marktplatz (46 Prozent) und darüberhinaus mit seinem Eigenhandel (17 Prozent) sogar insgesamt auf gut 63 Prozent der Onlineumsätze in Deutschland.

Die Interneterlöse insgesamt dürften laut HDE in diesem Jahr auf 96,3 Milliarden Euro steigen. Der E-Commerce käme damit auf einen Anteil von knapp 14 Prozent am gesamten deutschen Einzelhandel im engeren Sinne – also ohne die Umsätze von Apotheken sowie dem Kfz- und Kraftstoffhandel.

Immer mehr Ältere shoppen online – KI hilft beim Einkauf

Immer mehr ältere Menschen kaufen im Netz ein. „Wer als Jugendlicher angefangen hat, online zu shoppen, hört mit steigendem Alter nicht plötzlich damit auf“, sagte Tromp. Zudem gewinne Künstliche Intelligenz (KI) an Bedeutung. Bereits 35 Prozent der Menschen in Deutschland nutzten KI zur Recherche beim Kauf von Produkten – etwa um Waren und Preise zu vergleichen oder Testberichte zu finden.

Tromp forderte einen faireren Wettbewerb. Mit Blick auf chinesische Anbieter wie Temu oder Shein sei dies bis heute nicht der Fall. „Da muss von der Politik noch deutlich mehr kommen. Es braucht konsequente und spürbare Strafen.“ Dem HDE zufolge liegt der Umsatzanteil ausländischer Onlineanbieter in Deutschland mittlerweile bei knapp elf Milliarden Euro. Davon entfielen geschätzt allein rund 4,7 Milliarden Euro oder fünf Prozent auf Temu und Shein.

Eine geplante Zollreform der EU sieht vor, dass die bisherige Freigrenze von 150 Euro pro Paket ausläuft und dann ab dem 1. Juli zunächst eine Pauschale von drei Euro gilt. Dies würde vor allem Billig-Plattformen wie Shein und Temu treffen. Ihnen wirft die Onlinebranche vor, europäische Standards nicht einzuhalten und so den Wettbewerb zu verzerren. Die Logistikkonzerne DHL, FedEx und UPS haben jüngst vor schweren Störungen des EU-Warenverkehrs gewarnt, denn die Einführung zum Juli sei nicht realistisch. Es gebe das Risiko, dass viele Sendungen an den EU-Außengrenzen aufgehalten würden.

Diese Angst hält der HDE für unbegründet. „Was wir mit Sorge sehen, ist, dass die Zollbehörden einfach aufgrund der schieren Masse überfordert sind“, betonte Tromp. „Sie werden also auch zukünftig nur Stichproben machen können – deshalb teile ich nicht die Bedenken der Paketdienstleister.“


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