Meldewesen
BVR warnt vor Milliardenbelastung durch höhere Mindestreserve
Berlin | 24.08.2026 | Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR)
Eine Anhebung der unverzinsten Mindestreserve würde die Ertragskraft der Banken nach BVR-Berechnungen um rund vier Milliarden Euro jährlich verringern.

Die Diskussion um eine mögliche Erhöhung der Mindestreserve gewinnt vor dem Hintergrund der Verluste vieler Notenbanken an Bedeutung. Der BVR spricht sich gegen eine Verdopplung des Mindestreservesatzes aus und warnt vor zusätzlichen Belastungen für die Kreditwirtschaft. Im Fokus stehen die Folgen für Ertragskraft, Wettbewerbsfähigkeit und Geldpolitik.

  • BVR lehnt Verdopplung der Mindestreserve von 1 auf 2 Prozent ab
  • Belastung der Banken von rund vier Milliarden Euro jährlich
  • Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit der Kreditwirtschaft
  • Warnung vor Zweckentfremdung geldpolitischer Instrumente
  • Gefahr von Wettbewerbsverzerrungen und Einlagenverlagerungen
  • BVR plädiert für Abbau von Anleihebeständen und Überschussliquidität

Belastung für die Kreditwirtschaft

 Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) warnt davor, die Mindestreserve zur Verringerung der Verluste der Notenbanken im Euroraum zu erhöhen. Eine Verdopplung der unverzinsten Mindestreserve von derzeit 1 auf 2 Prozent würde die Zinsausgaben der Notenbanken zwar kurzfristig um rund vier Milliarden Euro jährlich verringern, die Ertragskraft der Banken aber im gleichen Umfang verringern. „Damit würde die Maßnahme der EZB die aktuelle Zielsetzung der Europäischen Kommission entgegenlaufen, die Wettbewerbsfähigkeit der Kreditwirtschaft zu stärken“, warnt die Präsidentin des BVR, Marija Kolak. Zudem würde ein geldpolitisches Instrument so zur Entlastung der Notenbankbilanzen und für quasifiskalische Zwecke zweckentfremdet, was aus ordnungs- und geldpolitischer Sicht abzulehnen sei.

Geldpolitik und Notenbankbilanzen

„Ziel der Geldpolitik ist die Gewährleistung von Preisstabilität, nicht die Deckung von finanziellen Defiziten der Notenbank. Die Mindestreserve ist als Instrument der Geldpolitik kein Reparaturwerkzeug für Notenbankbilanzen. Die heutigen Verluste der Notenbanken sind vor allem eine Spätfolge der außergewöhnlichen Geldpolitik der vergangenen Jahre. Es wäre der falsche Weg, diese Kosten nun über eine höhere unverzinste Mindestreserve dem Bankensystem aufzubürden“, so die BVR-Präsidentin weiter.

Hohe Zinsausgaben im Euroraum

Hintergrund der aktuellen Debatte sind die hohen Zinsausgaben der Notenbanken seit dem Ende der Niedrigzinsphase. Derzeit verzinsen die EZB und die 21 nationalen Zentralbanken des Euroraums Überschussliquidität von rund 2,12 Billionen Euro mit 2,25 Prozent. Daraus ergeben sich jährliche Zinsausgaben von etwa 48 Milliarden Euro. Würde die unverzinste Mindestreserve von 1 auf 2 Prozent erhöht, könnten die Notenbanken ihre Zinsausgaben nach Berechnungen des BVR um rund vier Milliarden Euro jährlich verringern. Zu diesem Ergebnis kommt der BVR in seiner aktuellen Analyse.

Risiken für den Wettbewerb

Bereits seit September 2023 wird die Mindestreserve der Banken nicht mehr verzinst. Eine Verdopplung des Mindestreservesatzes würde diese Belastung weiter erhöhen. Hohe Mindestreservesätze können nach Einschätzung des BVR zudem das Risiko von Wettbewerbsverzerrungen und einer Verlagerung von Einlagen an Finanzplätze außerhalb des Euroraums verstärken. Der sachgerechtere Weg zur Verringerung der Notenbankverluste liegt aus Sicht des BVR im weiteren strukturierten Abbau der Anleihebestände und damit perspektivisch auch der Überschussliquidität.

Analyse im Volkswirtschaft Kompakt

Die vollständige Analyse zur Mindestreserve ist in der aktuellen Ausgabe des „BVR Volkswirtschaft Kompakt“ veröffentlicht.

Weitere Bankinformationen

Zur aktuellen Ausgabe BVR Volkswirtschaft Kompakt mit dem Thema Mindestreserve.
© Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR)
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Melanie Schmergal

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